Auf zum Especula!

[Die Geschichte entstand 2011 anlässlich des Raumfahrergeburtstag meines Sohnes. Dieses Jahr habe ich für eine Ausschreibung überarbeitet. Nun möchte ich sie hier teilen. Viel Spaß beim Lesen und Rätseln… 🙂 ]

 

Niemals, aber auch wirklich niemals, hätte ich mir träumen, lassen, dass ich eines Tages in den Weltraum fliege!

Schon immer hatte mich das Weltall fasziniert. Die Sonne, die uns Wärme und Licht bringt, ohne die das Leben auf der Erde gar nicht möglich wäre. Der Mond, mit seiner scheinbar wechselnden Größe, Farbe, Form. Stundenlang beobachtete ich den Sternenhimmel. Kein Planetarium in erreichbarer Nähe, das ich nicht besucht hatte und keine Sendung über Raumfahrt im Fernsehen, die ich verpasst hätte. War das verrückt? Ja, schon, aber vielleicht gehört „etwas verrückt sein“ dazu, wenn man die Erde verlassen und zu den weit entfernten Planeten fliegen wollte….

Und obwohl das noch unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto war, erfüllte sich dieser Traum tatsächlich für mich! Und zwar genau am 12. November 2025. Aufgeregt saß ich fest angeschnallt in meinem Sitz im Raumschiff, das uns heute aus der Erdatmosphäre befördern würde. Monatelanges hartes Training war diesem Moment vorausgegangen. Momente, in denen ich geflucht hatte, wie ich nur auf den Gedanken hatte kommen können, mich freiwillig zu melden, für diese Reise zum Especula, dem im Jahr 2020 neu entdeckten Planeten.

Die Satelliten hatten sehr bald nach seiner Entdeckung Bewegungen und Wärmebilder aufgezeichnet, die als klare Anzeichen für Leben auf diesem Planeten gewertet wurden. So viele Fragen, so viele Möglichkeiten, so viele unterschiedliche Interessen – wissenschaftliche, politische, wirtschaftliche – aber natürlich auch genauso viele Ängste! Aufgrund der ausufernden Spekulationen um diesen Planeten hatte man sich entschieden, ihn „Especula“ zu nennen, abgeleitet vom spanischen Wort für „Spekulation“. Jeder Mensch schien seine eigene Theorie zu entwickeln und bevor aus Angst vor den dortigen Lebewesen zu große Panik entstand (die zum Teil durch Medien und manipulative Persönlichkeiten gezielt geschürt wurde) entschied man sich, ein bemanntes Raumschiff zu schicken, um diesen Spekulationen ein Ende zu bereiten. Mehr Geld als man eigentlich hatte, wurde fünf Jahre lang investiert, um diese Mission möglich zu machen. Sie blieb ein großes Risiko! In jeder Beziehung!

Ich konnte es immer noch nicht glauben, dass ich tatsächlich ausgewählt worden war, diese Reise zu begleiten. Als staatliche geprüfte Simultandolmetscherin für Gebärdensprache und die zehn wichtigsten Sprachen, sowie meinem Master in interkultureller Mediation, war ich schon länger überwiegend für die Regierung tätig. Dennoch vermute ich, dass es mein unbändiger Wunsch, dabei zu sein, war, der mich in jeder Stufe des Auswahlverfahrens über mich hinaus wachsen ließ.

Unser Raumschiff war ein Koloss aus den neuesten Materialien, die mit diesem Flug ihre Belastbarkeit unter Beweis stellen würden. Keiner konnte wirklich vorhersagen, welche Umweltverhältnisse uns erwarteten. Lange, sehr lange Gespräche hatten sich darum gedreht, wen man auf diese Reise schicken sollte, aber noch mehr wurde darüber diskutiert, WAS man alles mitnehmen sollte.

Waren Waffen notwendig? Und wenn ja, welche Art von Waffen konnten überhaupt hilfreich sein? Natürlich wollte man eine friedliche Begegnung und möglicherweise würde man durch das Vorhandensein von Waffen im Raumschiff die Lebewesen auf dem Especula verschrecken oder gar einen Krieg heraufbeschwören? Sollte man also besser nur Geschenke mitnehmen? Aber welche Geschenke wären hilfreich? Was würde den Lebewesen überhaupt gefallen? Was ihnen nützen? Was würden sie verstehen? Was könnte sie positiv stimmen, falls sie uns weniger freundlich gegenüberstanden? Was für Lebewesen konnten wir überhaupt erwarten? Waren sie klug, in ihrer Forschung und Entwicklung viel weiter als wir oder auf einer niedrigen Entwicklungsstufe und in ihren Betrachtungen der Welt und des Universums hinter uns zurück? Wie würde man sich mit ihnen verständigen können?  Würden meine vorhandenen Sprachkenntnisse ausreichen? Um bestmöglich vorzubereiten zu sein, hatte ich in der Vorbereitung noch Klingonisch in mein Sprachrepertoire aufgenommen. Vorsichtshalber hatte man einen Sprachcomputer mit sämtlichen auf der Erde gesprochenen Sprachen und Dialekten an Bord. Trotzdem könnte es sein, dass kommunikativer Austausch mit den Lebewesen überhaupt nicht möglich war? Was dann? Wie könnten wir ausdrücken, dass wir in friedlicher Absicht hier waren, wenn die  Gestik und Mimik der Lebewesen möglicherweise so ganz anders war, als die unsere? Nächtelang sinnierte nicht nur ich über all diese Fragen.

Man hatte sich letztlich für die Mitnahme von Geschenken UND Waffen entschieden. Hatte Bildnisse von Gebäuden, Gemälden, Mode,  sowie Darstellungen der Erde, ihrer Lebewesen und Gesteinen …. also ein buntes Portfolio menschlicher Kultur, Umwelt und Wissenschaft zusammengestellt als eine Art Lexikon für Außerirdische. Vielleicht hatten die Lebewesen auf Especula ja ihrerseits bereits die Erde entdeckt und stellten die gleichen Überlegungen an wie wir? Waren genau wie wir praktisch schon auf dem Weg?

Jetzt wurde es also ernst. Die Anspannung stand auf den Gesichtern der gesamten Mannschaft. Alle Bilder unserer  Mission wurden nicht nur ins Kontrollzentrum übertragen, sondern unmittelbar in die ganze Welt, um die Neugierde der Menschen in allen Ländern zu befriedigen. Wir waren so eine Art „reality show“ und die Luftfahrtbehörde finanzierte durch den Verkauf der Senderechte einen Großteil der Kosten dieser Expedition. Es lag in unserer Hand und unserem Gespür, was aus dieser Begegnung werden würde, Lichtjahre entfernt von zuhause.

Diese und tausend andere Gedanken schossen mir durch den Kopf während ich auf den Start des Raumschiffs wartete. Automatisch und doch voller Konzentration prüften wir unsere Geräte, wie wir es bei jedem Test und Training getan hatten, mit dem entscheidenden Unterschied, dass es diesmal der Ernstfall war. Der Countdown lief ….

10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 – ready – Gooooooooooooooo

Trotz Gehörschutz dröhnte die Feuerung unseres Raumschiffs ohrenbetäubend. Der Moment bis zum eigentlichen Abheben schien eine Ewigkeit zu dauern, aber endlich schossen wir mit berauschender Geschwindigkeit dahin. Das Gefühl ähnlich einer wilden Achterbahnfahrt stellte sich ein, als ob die Geschwindigkeit auch die inneren Organe durcheinanderwirbeln würde. Einen Moment lang dachte ich, dass ich mich übergeben müsste, aber wir hatten diese Situation schließlich trainiert und so machte ich die gelernten Schluck- und Atemübungen und konnte den Impuls überwinden. Wie peinlich und unangenehm wäre es gewesen, wenn man mir in der ganzen Welt zugesehen hätte, wie ich, kaum waren wir gestartet, zur Raumschiff-Spucktüte griff.

Wild klopfte mein Herz und ich verwendete alle Konzentration auf meine Atmung, aber nachdem das Raumschiff nach Austritt aus der Erdatmosphäre ruhiger dahin glitt, entspannte ich mich etwas. Dabei gab es jetzt definitiv mehr Grund, aufgeregt zu sein, denn nun befanden wir uns im Weltraum. Nicht mehr länger im Schutz der Mutter Erde, wenngleich es per Funk noch eine unsichtbarere Nabelschnur gab, waren wir jetzt als Pioniere im Weltall auf uns selbst gestellt. Ein Gefühl des Stolzes erfasste uns alle. Wir waren entschlossen, unsere Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit aller zu erledigen. Von namhaften Wissenschaftlern war ein ganzer Fragenkatalog zusammengetragen worden, den wir bestmöglich beantworten wollten. Denn natürlich wollte man so viel wie möglich über den Especula in Erfahrung bringen.

Es dauerte überraschend lange bis wir den Mond aus der Nähe erblickten. Es war atemberaubend!! So unscheinbar und zugleich strahlend schön. Mit seinen Kratern durchaus einem Käse vergleichbar und ich musste grinsen, weil ich an die Kindergeschichten dachte, in denen es genau darum ging. Aber es gab nun mal keinen „Mann im Mond“. Wir flogen am Mars vorbei. Über die „Marsmännchen“ redete auch schon lange niemand mehr. Ob die Lebewesen auf dem Especula wohl „klein und grün“ waren, wie man dies gerne den Marsmännchen nachgesagt hatte?

Beim Anblick des Jupiters hielt ich unwillkürlich die Luft an. Winzig und verletzlich fühlte ich mich. Eine Kollision mit diesem Riesen käme dem Tritt eines Elefantenfußes auf eine Ameise gleich. Aber natürlich gab es keine Kollision, denn unsere Flugbahn war genau berechnet worden. Der Saturn erschien im Vergleich gar nicht mehr so erschreckend. Vielleicht nahm mir auch der Gedanke, dass er aus Gas bestand die Angst? Auf jeden Fall war er für mich, mit seinen geheimnisvollen Ringen der Schönste aller Planeten.

Abgekoppelt von Raum und Zeit durchquerte unser Raumschiff weiter das All, vorbei an Uranus, Neptun. Zuletzt passierten wir den kleinen Pluto, womit wir das alte Sonnensystem verließen. Mein Herz schlug heftig als ich daran dachte, dass wir so weit von der Erde entfernt waren wie noch keine Menschenseele vor uns. An dieser Stelle fing das Abenteuer erst richtig an, denn jetzt ging es ins „universum incognitum“! Unser Raumschiff würde unvorhersehbare klimatische Verhältnisse aushalten müssen. Würden die Schrauben und Schweißnähte, das Material an sich diese Belastungen aushalten oder das Raumschiff auseinanderbrechen und wir als Weltraummüll enden? Natürlich hatten wir im Training gelernt, wie man bestimmte Reparaturen durchführt und sollte absehbar werden, dass das Raumschiff den Anforderungen nicht gewachsen war, mussten wir umkehren. Schließlich waren wir nicht im Auto unterwegs, das man mal eben am Wegesrand parken oder in die nächstgelegene Werkstatt abschleppen konnte. Zwar war das uns das allen klar gewesen, aber erst jetzt verstanden wir es. Wir waren schließlich im Weltraum unterwegs und wenn etwas schief ging, dann sah es verflucht schlecht für uns aus. So viel wir im Training miteinander geredet hatten, so wenig redeten wir auf diesem Flug. Anspannung und Nervosität wuchsen, je weiter wir uns von der Erde entfernten und unserem Ziel näher rückten. Inzwischen sahen wir es bereits auf den Bildschirmen und hatten nach den Berechnungen noch ungefähr vier Stunden Flugzeit. Soweit verlief alles bestens.

Was konnte man in dieser Zeit noch tun? Ich beschloss, meine flatternden Nerven durch Nahrung zu beruhigen – auf der Erde hatte sowas immer gut gewirkt – Astronautennahrung hat zwar die perfekte Nahrungsdichte, ist als Genussmittel und zur Beruhigung eher untauglich. Also las ich zum 1000sten Mal die bisherigen Untersuchungen zum Especula, betrachtete die unscharfen Sattelitenbilder und war wieder fasziniert, wie sehr er der Erde ähnelte, als könnte es sein Zwilling sein. Anschließend versuchte ich es mit Meditation, um meine Sinne für die bevorstehende  Begegnung zu schärfen. Noch zwei Stunden bis zur erwarteten Ankunft … Was würde uns erwarten? Wie würde man uns begegnen? Würden wir überhaupt landen können? Würden wir mit unserem Raumschiff womöglich Schaden anrichten? Würde es warm oder kalt sein? Würde eine Verständigung mit den Lebewesen möglich sein? Immer wieder dieselben Fragen kreisten in meinem Kopf. Gerade als wir die Erkundungssonde startklar machten, die uns einen Teil dieser Fragen beantworten sollte, entdeckten wir etwas auf den Kameras und Radarschirmen, das uns ziemlich aus der Fassung geraten ließ: etwas bewegte sich auf uns zu! War es ein Asteroid, wie sie überall im Sonnensystem herumschwirrten und auf Planeten zu Kratern, bei unserem Raumschiff vielleicht zu einem Totalschaden führen konnte? Oder wurde auf uns geschossen? ES kam auf jeden Fall mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu, aber schon bald sahen wir, dass es eher wie ein Raumschiff aussah.

Oh, mein Gott! Es GAB Lebewesen da draußen. Sie mussten uns längst entdeckt haben! Und sie waren unterwegs, genau wie wir! Sie hatten ein Raumschiff und kamen uns entgegen! Waren sie uns freundlich gesonnen oder wollten sie uns davon abhalten, den Especula zu erreichen? Alle Versuche der Kontaktaufnahme schlugen fehl. Erkannten sie unsere Signale nicht? Nutzen sie eine komplett andere Technik oder wollten sie nicht mit uns in Kontakt treten? Auch wir konnten mit keinem unserer Messgeräte Signale von diesem Raumschiff empfangen, das immer deutlicher erkennbar wurde. Die sichtbar werdende Ähnlichkeit mit unserem Raumschiff ließ uns erschaudern.

Waren die Lebewesen vom Especula vielleicht schon längst auf der Erde gewesen? Vor Jahren vielleicht schon, hatten unsere Technik ausspioniert und für sich umgesetzt? Offenbar wussten sie um diese Mission. Waren sie die klügeren Lebewesen, die heimlich über uns dumme Menschen lachten, die erst jetzt den Weg zum Especula gefunden hatten? Und immer wieder die entscheidende aber noch nicht zu beantwortende Frage: Kamen sie uns jetzt in friedlicher Absicht entgegen oder  wollten sie uns zerstören, bevor wir ihren Planeten erreichen würden?  Alles war möglich, alles war offen… Wie sollten wir uns jetzt richtig verhalten?

Wir beschlossen, weiter unseren Kurs auf den Especula beizubehalten, den Antrieb zu drosseln und zu beobachten, welche Reaktionen unser Verhalten hervorrufen würde. Unsere Funksignale in Richtung Raumschiff blieben weiterhin unbeantwortet. Vorsichtig und ohne äußere Anzeichen (wobei wir uns irgendwie beobachtet fühlten) bereiteten wir unsere Waffen vor, obwohl wir nicht wirklich das Gefühl hatten, mit diesen tatsächlich etwas ausrichten zu können, sollten sich die Especularianer tatsächlich in feindlicher Absicht nähern. Wir waren inzwischen so nah, dass wir jedes Detail des Raumschiffs ausmachen konnten. Und wir fühlten uns unglaublich veräppelt, als wir den Schriftzug „Especula-2020“ auch auf ihrem Raumschiff entdeckten! War das womöglich eine Spiegelung? Gab es so etwas wie eine Weltraum-Fatamorgana? Was passierte hier? Oder wollten sich die Especularianer über uns lustig machen? Wollten sie uns zeigen: Wir haben euer Raumschiff nachgebaut? Wir sind schneller und klüger als ihr! Oder sollte es heißen: „Seht, Freunde, wir sind wie ihr?“

Da uns das fremde Raumschiff direkt entgegen kam, drosselten wir die Geschwindigkeit und korrigierten unseren Kurs. Nach kurzer Zeitverzögerung  tat es uns das andere Raumschiff nach und kam nach seiner Kurskorrektur wieder exakt auf uns zu! Sie kamen also doch nicht in friedlicher Absicht? Andererseits waren wir so nah, dass sie uns längst mit Waffen hätten vernichten können, auch wir hätten unsere Waffen einsetzen können. Sie waren inzwischen so nah, dass wir ein Raumschiffhologramm ebenfalls ausschließen konnten. Keine leichte Entscheidung wie man nun vorgehen sollte.

Da wir weiterhin drohten, mit den Especularianern zusammenzustoßen, drosselten wir den Antrieb unseres Raumschiffs so drastisch, dass wir uns kaum noch voran bewegten – wieder taten es uns die Especularianer nach. Offensichtlich war das eine gute Entscheidung und wie es schien wollten auch sie beobachten, was wir tun würden. Da standen sich die beiden Raumschiffe im Weltall einfach gegenüber. Funkkontakt gab es nach wie vor nicht. Hatten sie beim Nachbau des Raumschiffs, diese wichtige Komponente vergessen ODER hatten sie den Sinn des Funks nicht verstanden, weil sie sich ganz anders verständigten? Wieder einmal mehr Fragen als Antworten.

Nachdem sich die Raumschiffe mehrere Stunden regungslos gegenübergestanden hatten, machte ein Crew-Mitglied den Vorschlag, wenn wir nicht mit ihnen funken könnten, sollten wir uns vielleicht einfach zeigen. Der Vorschlag war völlig idiotisch. Da sollten wir tatsächlich in dieser Situation das schützende Raumschiff verlassen? Andererseits war das derzeitige Warten nervenaufreibend und womöglich an dieser Stelle umzukehren, ohne mit den Especularianern in Kontakt getreten zu sein, erschien uns noch idiotischer. Als Sprachspezialist sollte ich den Leiter unserer Mission nach draußen begleiten. Mein Gefühlscocktail in diesem Moment lässt sich nicht beschreiben. Da standen wir auf unserem Raumschiff, winzig klein und beobachteten was passieren würde. Auch jetzt machten die Especularianer, was wir taten. Zwei Gestalten traten aus der Luke, die – wir hatten es fast schon erwartet – wie lebendige Kopien von uns aussahen. Hatten sie die Fähigkeit, sich in andere Lebewesen zu verwandeln? Eine Veränderung ihrer Gestalt, wie Chamäleons das mit der Farbe können?

Unser Winken wurde erwidert, aber ansonsten verharrten die Especularianer genau wie wir in Beobachtung der Anderen. Da standen wir nun und waren immer noch nicht weiter. Unsere Signale und Kontaktversuche per Funk blieben unbeantwortet.  Nach geraumer Zeit schlug ich vor, ins Raumschiff zurück zu kehren.

Drinnen berieten wir was nun zu tun sei. Vom Kontrollzentrum wurden wir dazu gedrängt, uns –  vor den Augen der Millionen Zuschauer – dem Raumschiff weiter zu nähern. Ganz langsam und vorsichtig taten wir das und ich wagte kaum zu atmen. Immer dichter, noch ein Stück und noch ein Stück, bis sich die Raumschiffe fast berührten. Lag es an der Technik, atmosphärischen Störungen oder war es ein menschlicher Fehler? Der Schub hörte nicht wie geplant auf und wie in Zeitlupe stieß unser Raumschiff gegen das der Especularianer. Ohrenbetäubender Lärm begleitete den Aufprall.

Ich fluchte laut, aber wie immer nutzte Fluchen so gar nichts. Erstaunlicherweise hatte unser Raumschiff den Zusammenstoß gut überstanden und unser Bordcomputer meldete keine größeren Schäden. Das Raumschiff der Especularianer hingegen sah merkwürdig verzerrt und komplett zerstört aus! Was hatten wir nur gemacht?

Und da erst wurde deutlich: Wir hatten den Especula längst erreicht! Er besaß eine spiegelglatte, glänzende Oberfläche hinter der sich eine Art  Abbild der Erde befand. Das, was wir für Especularianer gehalten hatten, waren in Wirklichkeit wir selbst gewesen, die Zeitverzögerung der Bilder lag vermutlich an einer atmosphärischen Störung des Raum-Zeit-Kontinuums. Wir fanden keinerlei Nachweise von Lebewesen auf der glatten Oberfläche des Especula, wir sahen nur unser Spiegelbild und eine ziemlich demolierte Stelle, an der wir den Planeten mit unserem Raumschiff beschädigt hatten und die wohl als Sinnbild für unsere Blindheit zu betrachten war.

Immer und immer wieder schaute ich mir nach unserer Rückkehr die Filme an, die während unserer Expedition gedreht worden waren. Ich stellte fest, dass aus einer Kameraperspektive zu sehen war, dass mein Spiegelbild außen auf dem Raumschiff definitiv VOR mir den Mund geöffnet hatte, um zu sagen, dass es wohl Zeit sei, zum Raumschiff zurückzukehren. Hatten uns die Especularianer doch an der Nase herum geführt?

Ein Gedanke zu “Auf zum Especula!

  1. [Nachwort der Red.: Dieser Bericht wurde kurz nach der Rückkehr der ersten Mission zum Especula verfasst. Erst 2030, nach Entwicklung der Tieffrequenz-Ultraschall-Transformer-Technik, gelang es, mit den scheuen Especularianern zu kommunizieren.]

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